Der Turmbau

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Sonja, Markus und Chris wohnten mit ihren Eltern in einer 3-Zimmer- Wohnung. Im Kinderzimmer war daher nicht besonders Platz viel für jeden. Das hieß, sich vertragen und frühzeitig lernen Kompromisse zu schließen. Aber man lernte auch miteinander zu spielen und man hatte fast immer Gesellschaft, selbst wenn kein Freund Zeit hatte.
Der Vater hatte für die Kinder aus Holzleisten Bausteine gesägt und gut geschliffen und geglättet, als Farbe zeigten sie nur ihre schöne Holzmaserung. Es waren wunderschöne Steine, die herrlich aufeinander lagen, mit denen man Straßen, Pueblos und Türme bauen konnte, die fast an die Decke reichten, wenn man die bunten Steine von den Großeltern noch dazu nahm.
Turmbau1   An diesem regnerischem Nachmittag beschlossen die drei Geschwister wieder einen ihrer Türme zu bauen. Also schüttete man zuerst den Sack aus. Chris der jüngste, war erst vier Jahre, er durfte erst seit kurzem selber mit bauen, wenn die älteren Geschwister diesen hohen Turm bauten. Also ließ Sonja (9Jahre), die Älteste, Markus (8 Jahre) und Chris beim Bauen den Vortritt. Reihe um Reihe wurden sorgfältig die Steine aufeinander gelegt, denn sie hatten durch Erfahrung gelernt, ein guter und ordentlicher Unterbau verleiht dem Turm eine große Standfestigkeit.
Bald hatten sie den Punkt erreicht, wo Markus auf den Stuhl stieg, damit der Turm weiter wachsen konnte. Nun kommandierte er: „Sonja, ich brauche wieder zwei Steine, ja die langen dünnen, die langen dicken haben Chris ich schon alle verbaut, von denen ist nur noch einer da.“ Also reichte ihm Sonja die langen Steine zu. „Nein, Chris, noch nicht die bunten Steine, erst die langen Holzsteine, genau die!“, gab nun Sonja die Anweisung an den Jüngsten weiter. Während Markus wartete, nahm Sonja die naturfarbenen Holzsteine, die Chris ihr reichte.
„Der Turm wird schön, Sonja, gell?“ „Hhmh“, gab Sonja zurück dabei auf den Turm schauend. Bald hätten sie den Punkt erreicht, bei dem Markus auf sein Hochbett steigen musste, denn der Turm hatte bestimmt fast 1,70 m erreicht. Sonja, Markus und Chris freuten sich, bisher hatten sie alles richtig gemacht. Der Turm stand sicher, nichts wackelte. Es klopfte an der Tür, „Vorsicht!!“ ertönte es auch drei Kinderkehlen, die Tür ging auf und vorsichtig schaute die Mutter ins Zimmer. „Mama, schau, wir bauen einen ganz großen Turm!“, erklärte Chris, während Markus auf seinem Bett hockte und weitere Steine vorsichtig auflegte, da nun der Turm schmaler wurde in der Spitze.
Turmbau2   „Oh“, bewunderte die Mutter das Bauwerk, „wenn er heute Abend noch steht, darf er über Nacht stehen bleiben.“
„Toll“, freute sich Sonja, „gib Dir also weiterhin Mühe Markus. Ja, Chris, jetzt braucht Markus die grünen Steine, gib sie mir bitte, damit ich sie weiter geben kann.“
Die Tür schloss sich wieder vorsichtig. Die Mutter wusste nun, was die Kinder taten. Wenn es gar so ruhig wurde, schaute sie einfach gerne nach.
Nun dauerte es nicht mehr lange. Nach weiteren 10 Minuten wurde der letzte Stein auf den Turm gelegt. Er maß nun über 2 m. Langsam kletterte Markus vom Bett, das Bauwerk hatte nicht gewackelt. Die Säcke für die Steine wurden in den Schrank geräumt.
Jeder der Drei bewegte sich vorsichtig im Raum, nur um keine großen Erschütterungen auszulösen. Chris meinte: „Der Turm soll immer stehenbleiben, so schön ist der geworden.“
„Einige Tage wäre schon schön“, erklärte Sonja, die große Schwester, sehr erwachsen wirkend in diesem Moment. Markus, der das Bauwerk anschaute, lobte: „Das haben wir doch wieder sehr gut gemacht. Er sieht richtig toll aus. Deine Idee, die Steine oben nach Farben zu verbauen, sieht schön aus, Sonja.“
„Ja mir gefällt es auch. So nun stelle ich den Stuhl weg, nicht dass er noch an den Turm stößt, dann war alles umsonst!“ Der große Stuhl wurde wieder zum großen Tisch getragen, an dem die Drei aßen und spielten oder aber die Älteren ihre Hausaufgaben machten.
Turmbau3jpg   Auch der Vater bewunderte beim Abendessen den Turm. Als es ans „Gute- Nacht sagen“ ging, schlossen auch die Eltern vorsichtig die Tür, damit das Bauwerk nicht einstürzte durch den Luftzug. Mehrere Tage vergingen, der Turm stand immer noch im Zimmer hinter dem Bett. Jeder Neue, der das Zimmer betrat wurde gewarnt. Doch eines Nachts geschah das Unvermeidliche. Markus oder Sonja bewegten sich wohl zu viel im Bett, die beiden waren unruhige Schläfer. Da kam wohl ein Luftzug zu viel.
Mit einem satten Krachen und Poltern stürzte der Turm in sich zusammen. Erschrocken waren die Kinder hochgefahren in ihren Betten. Im Flur ging das Licht an. Auch die Eltern waren von diesem Poltern wach geworden und wollten den Grund erfahren. Die Tür ging vorsichtig auf, schon klackten die Holzsteine an die Tür, das Licht wurde ebenfalls eingeschaltet. Zwischen dem Doppelstockbett und der Tür lag der Berg mit den Steinen. Die Ursache war geklärt, alle konnten wieder weiter schlafen. Nur vor der Schule mussten Sonja und Markus gemeinsam mit Chris die Steine wieder in die Säcke packen, die ihre Mutter dafür genäht hatte.

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Nochmals zu verwenden

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Die goldene Hochzeit ihrer Eltern sollte gefeiert werden. Die Töchter Anja und Emely sowie der Sohn Guntram überlegten sich das passende Geschenk für ihre Eltern anlässlich der goldenen Hochzeit. Emely brachte die Idee ein, insgesamt drei Camelienbüsche in verschiedenen Farben zu besorgen, so dass jedes „Kind“ einen Strauch übernahm. Emely und die Eltern, Ulla und Martin, besuchten gerne den Frankfurter Palmengarten und liebten gerade diese Büsche, wenn sie in voller Blüte standen.

goldene Hochzeit Die Geschwister saßen mit den Ehepartnern von Anja und Guntram zusammen. Emely war seit einigen Jahren verwitwet. Anja meinte dazu: „Wir sollten uns über die Farben einigen, damit es im Garten bunt aber harmonisch bleibt. Wie wäre es daher mit Weiß, Rosa und dunklem Pink?“ Emely, die die blühenden Büsche bereits vor sich sah, erklärte „dies stellt die perfekte Wahl dar, denn diese Blüten sehen auch im Verblühen noch schön aus. Guntram, besorgen Du und Valentina die Sträucher, ihr wohnt immerhin in Frankfurt? Da müssen die Pflanzen nicht so weit bewegt werden.“ Anja erklärte „Also von Hamburg das Ganze zu transportieren, wäre echt nicht toll und wir haben dann ja auch noch die Kinder und das Gepäck für das Wochenende im Auto. Ich sehe gerade innerlich Knuts Gesicht vor mir, wenn ich ihm dieses Gepäck anvertrauen würde.“

Ein Schmunzeln zeigte ich auch Anjas Gesicht. Im Gegensatz zu Emely hatten Guntram und Anja spät geheiratet und die Kinder der beiden Paare waren noch unter 10 Jahre alt. Emely nannte zwei Söhne von etwas mehr als zwanzig Jahren ihr Eigen, die auch schon in eigenen Wohnungen lebten.

Emely fragte „Was haltet ihr davon, wenn ich für die Sträucher Blüten aus Krepppapier bastel, denn bis Juni sind die Sträucher längst abgeblüht. Sähe doch einfach sehr kahl aus, oder?“ Valentina, die die Kreativität von Emely sehr schätzte und liebte, stimmte sofort zu „Ja, dann können wir die Blüten gleich an den richtigen Sträuchern befestigen. Ist es in Ordnung, wenn Du dreierlei Farben verarbeitest Emely?“ „Klar, das hatte ich mir sofort schon gedacht, als ich den Vorschlag machte. Ich bringe dann die Blüten freitags mit und befestige sie dann, damit wir am Samstag blühende Büsche überreichen. Ist es okay, wenn ich Euch bereits am Freitagvormittag heimsuche, damit ich gemütlich die Blüten befestigen kann?“ erkundigte sich Emely.

„Was haltet ihr davon, wenn wir Geschwister uns mit unseren Kindern und Eheliebsten an diesem bewussten Freitagnachmittag noch im Palmengarten treffen, bevor wir mit den Eltern in die Kirche fahren? Wir sehen uns ja selten genug, da wir ja doch nicht alle am Ort wohnen.“, fragte Guntram.
„Klasse Idee, die Eltern können uns dann ja doch noch nicht gebrauchen und Ulla wird immer so schnell hektisch vor solchen Veranstaltungen, selbst wenn alles geklärt ist.“, erklärte Knut. „Vor allem lässt sie sich nicht helfen!“, erwiderte Anja.
„Ich freue mich schon auf dich, Emely“, bekräftigte Valentina, „worauf hast Du Lust am Mittag, was soll ich kochen?“ Emely schmunzelte „Ach dann will ich ein 3Gang-Luxus-Menü mit allem drum und dran, denn ich habe ja an diesem Tag schon sehr früh gefrühstückt und einen Bärenhunger, daher mindestens Austern und Kaviar!!“, dabei auf einen ernsthaften Gesichtsausdruck wechselnd. Valentina fing an zu lachen und alle anderen grinsten. „Nein, ich denke, Nudeln mit Soße oder schnell eine Pizza aus der Packung reicht aus. Obwohl bei Pizza helfe ich dir gerne, dann ist sie schnell gemacht und schmeckt besser. Was hältst Du davon?“, sprach Emely weiter. Valentina strahlte „Perfekt, die Kinder schreien dabei Hurra und Du bist dann Tante Nummer 1 bei ihnen!“ „Steht mir auch zu!“, behauptete Emely gewichtig. Alles lachte und schloss sich den Kindern und Ulla und Martin im Wohnzimmer wieder an.

Das Wochenende der Goldenen Hochzeit war nun angebrochen. Emely hatte ihren Koffer im Gästezimmer bei Valentina und Guntram untergebracht, nahm den Pappkarton mit den Blüten auf den Arm, um die Papierblüten als erstes an den Büschen zu befestigen.
„Wo stehen denn die Büsche, Valentina?“ fragte Emely. „Komm gehen wir auf die Terrasse, da stehen sie in einer schattigen Ecke, damit sie durch die Wärme nicht verbrennen“, wies Valentina den Weg. Als die beiden Frauen die Büsche untersuchten, entdeckten sie, dass sich neue Blüten an den Zweigen gebildet hatten. An jedem Busch standen eine oder zwei kurz vor dem Aufbrechen, die Farben der neuen Blüten erkannten die Schwägerinnen auch schon.

„Wie schade, jetzt noch Blüten anzubringen, wirkt albern!“ stellte Emely fest. „Stimmt, dann hast Du die ganze Arbeit umsonst gemacht“, erklärte Valentina ein wenig traurig und drehte eine der Papierblüten in der Hand. Emely dachte kurz nach. „Sag mal, hast Du noch kleine Körbe wie von Ostern oder einen Präsentkorb?“, fragte Emely aufgeregt. „Ich habe noch zwei kleinere Präsentkörbe bei mir stehen, wozu brauchst Du die?“, wunderte sich Valentina.

goldene Hochzeit2„Ich habe eine tolle Idee!“, meinte Emely. „Die Eltern hatten bei ihrer Grünen Hochzeit keine Blumenkinder. Was hältst Du davon, wenn Deine und Anjas Kinder die Blumen in der Kirche streuen, wenn die Eltern nach der Segnung die Kirche verlassen??“ Valentina lachte auf „Genial, zu einer Hochzeit gehören Blumenkinder, besser spät als nie!“ „Gut dann erzählen wir das heute Nachmittag Anja und Knut, wenn wir uns im Palmengarten treffen. Hast Du schon was von denen gehört?“, fragte Emely weiter. „Sie haben mich angerufen, als sie abfuhren aus Hamburg, die müssten in zwei Stunden bei Ulla und Martin eintreffen“, erklärte Valentina. „Schön, dann haben wir ja mehr Zeit für die Pizza, oder?“, stellte Emely fest.

„Wenn Du willst, kannst Du Salami, Schinken und Paprika schneiden. Die Soße würze ich, Käse ist gerieben und die Pilze in der Dose sind schon geschnitten. Ich will noch schnell die Hefeschnecken für heute Nachmittag im Palmengarten backen. Dazu gibt es Kaffee und Valentina bringt Saft für die Kinder mit und die Becher für uns alle. Wir treffen uns am großen Spielplatz mit dem Wasserbecken.“ „Hey, das wird ja richtig königlich unser Treffen dort! Schade, dass Max und Felix erst in der Kirche zu uns stoßen, die müssen noch arbeiten heute und wollen dann noch rasch unter die Dusche springen!“ erstaunte sich Emely. „Los machen wir uns an die Arbeit, sonst ist die Pizza nicht fertig, wenn die Kinder aus der Schule kommen“, erklärte Valentina.

Am Nachmittag als die Geschwister mit ihren Partnern und den Kindern rund um einen Tisch saßen im Palmengarten, wurde die neue Verwendung der Blüten vorgestellt. Als die Kinder erfuhren, dass sie Blumen streuen sollen/dürfen, war die Begeisterung bei den drei Mädchen sehr viel größer als bei den zwei jungen Herren, die sich dafür als zu groß fühlten. Also beschloss die Familienversammlung, die Jungen sollten die Körbe tragen, wobei Valentinas Sohn und Tochter in der ersten Reihe gehen sollten, dann folgen Anjas Sohn und die zwei Töchter. Bevor es darüber Streit geben konnte, erklärte Emely streng „Hier geht es um die Optik und nicht um, wer ist wichtiger, ist das klar!“, denn die beiden Jungen zankten sich mal gerne um die Vorherrschaft in der Cousinenahnenreihe, da sie am gleichen Tag geboren waren. Wie hatte Martin, der stolze Großvater, dazu erklärt „Gut gemacht, so muss ich mir nicht so viele Daten merken, die Namen reichen doch schon!“ Was damals Lachstürme ausgelöst hatte.

Guntram, Valentina und Emely waren zuerst in der Kirche und stellten die Körbe in die zwei Bankreihen, so dass sie nicht sofort zu sehen waren, das hofften sie jedenfalls, denn Ulla war für die zweifelhafte Tatsache berühmt, dass sie alles sah, was sie noch nicht sehen sollte. Das machte Überraschungen immer ein wenig schwierig.

Zusammen mit den geladenen Gästen zum Abendessen hatte sich eine Gemeinde von gut 30 Personen zum Segnungsgottesdienst eingefunden. Ulla und Martin schritten hinter der Pastorin den Gang hinunter zum Altarraum, wo sie auf zwei Stühlen Platz nahmen. Die Ansprache der Pastorin rührte Emely zu Tränen, sie dachte daran, dass sie wohl nie eine goldene Hochzeit würde erleben können. Selbst wenn sie bald einen Partner finden würde, immerhin lag ihr Alter dem halben Jahrhundert schon ziemlich nah. Max lächelte seine Mutter liebevoll an und reichte ihr ein Taschentuch. Er und sein Bruder wussten, dass Emely mit ihrem Vater sehr glücklich gewesen war und ihn heute wohl besonders vermisste. Doch gegen Ende der Segnung waren die Tränen getrocknet und jeder war nur noch auf das Gesicht von Ulla und Martin gespannt, wenn der Auszug begann. Die 5 Kinder stellten sich im Gang auf, als Ulla und Martin um die Stühle gingen, um in den Gang hinunter zu schreiten. Ulla bekam feuchte Augen und Martin schluckte leicht, beide lächelten dabei. Die jungen Damen streuten schön brav die Blüten, die bis zum Ende des Kirchenschiffs ausreichten. Nachdem die Gratulationsrunde abgeschlossen war, sammelten Max und Felix die Blüten rasch wieder ein, die immer noch wunderschön aussahen.

Ulla fragte noch immer bewegt „Die Idee hast doch sicher Du gehabt, Emely, oder? Ich habe mich schon gewundert, warum ihr zwei Körbe mit in der Kirche hattet.“ Die Geschwister und ihre Partner stöhnten daraufhin gemeinschaftlich auf. Emely lachte leise auf, „ja, die Idee hat sich aber ganz spontan ergeben. Die Blüten hatten erst einen anderen Zweck, aber sie passten hier so schön. Ich weiß ja von euren Hochzeitsbildern, dass ihr keine Blumenkinder hattet. Also holten wir dies nun nach mit euren kleinen Enkeln.“ Ulla und Martin umarmten die Enkels nochmals und auch ihre Kinder mit den Ehepartnern. Die Pastorin erklärte „Das tolle daran ist, dass diese Blumen keine Flecken auf dem Teppich machen. Das wäre eine Idee, die man den Hochzeitspaaren weitergeben könnte. Richtig praktisch und noch mal weiter zu verwenden!“ Alles lachte und stimmte zu.

Beim Abendessen waren die Blüten noch einmal das Gesprächsthema. Die weiblichen Gäste erhielten jeweils eine Blüte, da sie erfahren wollten, wie diese hergestellt worden waren. Dies war ein unvergesslicher Auftakt der Feierlichkeiten, die am nächsten Tag ihrem Höhepunkt zusteuerten.

Las Profesoras

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Meine Freundin Emma und ich verbrachten eine Woche Urlaub in Denia, eine Stadt an der Costa Blanca, die zwischen Valencia und Alicante liegt. Das Hotel lag nahe am Strand, nur durch eine Straße davon getrennt. Emmas Tochter vergnügte sich am Strand mit Sonnenbaden und Planschen im Mittelmeer. Wir beschlossen diese Zeit der Ruhe zu nutzen. Die Abgabe ihrer ersten Praktikumsarbeit kam langsam näher.
Emma ist Kolumbianerin, die zwar schon seit fast 20 Jahren in Deutschland lebt, doch ihr Deutsch war zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht sehr gut. Dies merkte man weniger am Sprechen als an den großen Schwierigkeiten sich schriftlich auszudrücken. Dazu ging es als Thema um das Inkontinenztraining einer dementen Bewohnerin im Altenheim, in dem sie ihre Ausbildung absolvierte.

Las Professoras Sie wissen nicht so genau, was ein Inkontinenztraining ist, kein Problem, ich erkläre es Ihnen gerne. Es geht darum einem Menschen wieder dazu zu befähigen, zu erkennen, wann er sich zur Toilette begeben muss, damit er nicht mehr von den Windeleinlagen abhängig ist. Wobei hier die berechtigte Frage erlaubt sein muss, wer hier etwas lernt? Ist es nicht eher so, dass die Pflegekraft auf Grund der stärkeren Beschäftigung mit dem Bewohner oder der Bewohnerin erkennt, zu etwa welchen Zeiten, bestimmte Bedürfnisse des Körpers sich melden. Der Sinn dieser Maßnahme führt sich dann noch „ad absurdum“, da dieses Training nach Beendigung des Praktikum nicht weiter geführt wurde und auch nur stattfand, wenn Emma gerade Dienst hatte. Da Demente nicht mehr lernfähig sind, denn die Fähigkeit der Verstandes- und Lernleistung geht ständig stärker verloren, ist eine Überführung des Bewohners in ein selbständiges Handeln, was seine Körperwahrnehmung betrifft, schlichtweg unmöglich.
Dieses Training umfasste die Erfassung der Trinkmengen, eine Erfassung zu welchen Zeiten ein Toilettengang anstand. Ebenso wurde notiert, ob die Einlagen trocken oder feucht waren oder ob es zu Stuhlausscheidungen kam.
So saßen wir nun auf der Terrasse des Hotels umgeben von Listen über Getränkemengen, mit einer Liste auf der die Erfolge oder Misserfolge über die Erreichung von trockenen Windeleinlagen verzeichnet waren. Dazwischen lagen lange Protokollerfassungsbögen, auf die sie mit radierbarem Faserschreiber nach meinem Diktat die vier Wochen des Praktikums erfassen sollte.

Las Professoras2 Zusätzlich hatte sich für uns noch eine Schwierigkeit ergeben, die wir im Vorfeld schon in Deutschland in langen Sitzungen in den Nachtstunden gelöst hatten. Ihre Mentorin konnte sie einfach nicht leiden, daher versuchte sie Emma zusätzlich zu schaden, als ob die harte Arbeit nicht schon ausreichen würde. Man hatte Emma einen Bogen mit den Daten der Toilettengänge entwendet. Also hatten wir uns überlegt, wie anhand des Tagesablaufs dieses Formular sich logisch erschließen ließe. Mit dem Ergebnis waren wir schon sehr zufrieden, damit konnten wir beginnen zu arbeiten. Wir hatten die ersten zwei fehlenden Wochen auf Grund der vorhandenen letzten beiden Wochen erstellt, die einen gewissen „Lernerfolg“ dokumentierten. Aber wie am Anfang schon erwähnt, ist hier die Frage: wer hat hier gut gelernt?

In unserem Hotel wohnten vor allem Spanier und Engländer. Wir waren fast die einzigen Deutschen. So zogen also die Gäste an unserem Tisch immer wieder vorbei und schauten ganz interessiert. Glücklicherweise verstanden sie uns nicht, denn wir schrieben so interessante Sätze nieder, wie: ich begrüßte Frau X., brachte sie zur Toilette und fand ihre Einlage feucht vor; oder: nach dem Kaffeetrinken (200 ml) erhielt Frau X. in der Beschäftigung 150 ml an Wasser-Limonade-Gemisch.
Es war für uns eine eher eintönige Arbeit, die aber viel Konzentration erforderte, da man besonders beim Frühdienst die unterschiedlichen Aktivitäten des Morgens mit einbeziehen musste. Besucht Frau X. die Gymnastik, war es Mittwoch und sie beim Friseur oder war es Freitag und der Gottesdienst hatte stattgefunden. Danach richtete sich ja auch die Möglichkeiten, die Bewohnerin zur Toilette zu führen. Dies führte dazu, dass wir noch so manche „Korrektur“ in unserer logischen Folgerung des nachgestellten Trainings durchführen mussten. Ich war sehr vertieft in der Arbeit daran und in der Suche nach Formulierungen, die sich nicht dauernd wiederholten. Dieser Bericht sollte hinterher auch eine gewisse Lesbarkeit aufweisen können.

Las Professoras3 Was um mich herum vorging, entging mir vollständig. Emma dagegen, verstand sehr wohl, was die vorbeigehenden Spanier sich so über uns erzählten. Sie amüsierte sich darüber köstlich. Nach mehr als 2 ½ Std. beendeten wir die Arbeit am Bericht, nur das Niederschreiben der letzten Praktikumswoche stand noch an. Diesen Rest wollten wir nach dem Urlaub wieder in Deutschland zusammen schreiben.

Wir saßen noch entspannt bei einer Limonade, warteten auf Emmas Tochter, die bald vom Strand wieder zurück kommen mussten. Hierbei erzählte Emma mir nun, wie man uns bewertet hatte. Man hatte mitbekommen, dass wir Deutsch sprachen. Also bewunderte man „las profesoras aleman“, die sogar in den Ferien weiter für die Schule arbeiten würden, statt die Ferien zu genießen. Wir fingen an zu lachen. Falscher konnte die Einschätzung unserer Berufe nun gar nicht sein. Ich war im Gegenteil sehr dankbar, dass niemand verstanden hatte, dass es bei uns nur um feuchte oder trockene Windeleinlagen ging und um die Trinkmengen, die man der Bewohnerin verabreichte.

Ich freute mich, dass ich Emma so gut dabei helfen konnte, um sie auf Fehler auch aufmerksam machen zu können. Da ich ebenfalls bis zum Vormonat im Heim als Betreuer gearbeitet hatte, kannte ich die Tagesstrukturen und die Leute, die dort wohnten. Dies hatte auch das neue Feuchtprotokoll in seiner Erstellung sehr erleichtert. Übrigens sie bekam die Note 1 auf diese Arbeit, worüber ich mich sehr gefreut habe für sie.

Noch eine Begebenheit in dieser Sache, Monate später tauchte der Zettel mit den ersten zwei Wochen Toilettentraining „hinter einer Kommode“ wieder auf. Sein Verschwinden hatte Emma nicht geschadet. Doch für uns entstand beim Studieren eine weitere Komik. Die festgehaltenen Einträge entsprachen bis auf wenige Ausnahmen genau den Daten, die wir in mühevoller Kleinarbeit uns logisch erschlossen hatten. Wir genossen im Nachhinein diesen Triumpf und beglück-wünschten uns zu dieser logistischen Leistung.

Das Loch im Taschentuch

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In einer Zeit wo Fernsehen, Video und Internet noch nicht zum Lebensalltag eines Kindes gehörten, gab es öfter lustige Begebenheiten. Wenn man außerdem zwei Geschwister hat, erlebt man so einiges mit ihnen oder wird selber zum Auslöser von Geschichten, die in die Familienchronik eingehen.
Geschenke1Ich muss so etwa acht Jahre alt gewesen sein, mein „großer“ Bruder sieben Jahre, als diese Geschichte spielte. Meine Mutter hatte nun bald Geburtstag. In unserer Familie war es üblich, dass wir Kinder die Ge-schenke selbst bastelten. Dies taten wir gerne, mit mal mehr mal weniger Geduld. Auch das Geschick war nicht bei jeder Arbeit gleich verteilt. Ich konnte besser sticken, mein Bruder besser mit Holz arbeiten. Aber an diesem Geburtstag hatte sich mein Bruder an eine kleine Stickarbeit gewagt. Ein Taschentuch für Mama war bestickt worden.
Stolz zeigte er das kleine viereckige Stoffstückchen, das mit Spitze umsäumt war, uns Geschwistern. Wir bewunderten es, sogar ich, die sehr kritisch war, denn ich konnte damals wirklich gut schon sticken. Nun begann der schwerste Teil, das kleine weiche Tuch musste verpackt werden. Dies war nun nicht die Stärke meines Bruders, aber er wollte es unbedingt alleine machen.
Es mochten wohl 15 Minuten vergangen sein, als das Taschentuch vor ihm lag. Was hatte er nur mit dem Papier angestellt. Lauter Falten schauten uns an. Die Ecken alle schief, eine stand besonders hervor. Mir gefiel das Aussehen überhaupt nicht. „Gib mal her, ich mache das ordentlich für Dich. So sieht das nicht schön aus.“, ganz die große Schwester herauskehrend.
Geschenke2Entschlossen nahm ich das kleine Päckchen in eine Hand, die andere Hand fasste die Schere. Ein rascher Schnitt, dann war die störende Ecke beseitigt. Im ers-ten Moment war ich zufrieden. Doch dann fiel ein kleines Stückchen Stoff aus dem Papier, das meiner Schere zum Opfer gefallen war.
Mein Bruder fing an zu weinen und schimpfte: „Du hast mein Geschenk kaputt gemacht, jetzt habe ich kein Geschenk für Mama!“ Ich legte die Schere aus der Hand. Mir kamen ebenfalls die Tränen. Ich wusste, dass mein Bruder einige Zeit dafür gebraucht hatte. Die Arbeit war wirklich ordentlich gewesen. Als nun ein zweistimmiges Geheul aus dem Kinderzimmer ertönte, öffnete sich die Tür meine Mutter kam herein.
„Was ist denn hier los? Warum weint ihr denn Beide?“ Fast zweistimmig erzählten nun mein Bruder und ich die Geschichte jeder aus seiner Sicht. Unsere Mutter verstand erst mal gar nichts.
Nur den letzten Satz: „..ob man den Stoff nicht mit Uhu ankleben kann?“
„Was wollt ihr mit Uhu ankleben, bei Stoff geht das nicht. Was ist eigentlich los, aber bitte nacheinander, damit ich Euch verstehe.“ Diesmal war Jörg schneller: „Sigrid hat mein Geschenk kaputt gemacht. Sie hat ein Loch in Dein Taschentuch geschnitten, das ich für Dich gestickt habe.“ Mein Bruder war kurz davor auf mich mit den Fäusten los zu gehen und mich zu schlagen.

„Stimmt so nicht“, erklärte ich nun meiner Mutter. „Ich wollte doch nur die Ecke am Geschenk abschneiden, die so schief heraus stand. Ich wusste doch nicht, dass da das Taschentuch war. Ich wollte doch nur, dass das Geschenk schön aussieht! Kann man das nicht mit Uhu ankleben?“ mich dabei an die Werbung erinnernd, die überall im Radio erklang. So saßen wir nun auf dem Teppich im Kinderzimmer, mein Bruder wütend und heulend, ich kläglich, weil mein Tun das Gegenteil erzeugt hatte, von dem was ich wollte. Meine Mutter stand zwischen uns, nicht wissend, wie sie reagieren sollte. Also wurde mein Bruder getröstet, dass man sich trotzdem noch darüber freuen würde. Langsam beruhigte sich Jörg. Mir dagegen wurde verboten noch mal ein verpacktes Geschenk ordentlicher zu machen.
Am Geburtstag wurde es dann sichtbar. Ich hatte ge-nau aus der Mitte ein kleines Stück Stoff heraus ge-schnitten. Ich glaube meine Mutter besitzt dieses Ta-schentuch heute noch, sorgfältig in einer Mappe aufbewahrt.

Eine Schaufel geht noch

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Die Krabbelgruppe hatte beschlossen mit allen Kindern auf den Spielplatz zu gehen. Die Mütter saßen auf zwei Bänken verteilt, unterhielten sich angeregt über die Kinder und die Wochenendpläne. Die Kinder, im Alter zwischen 1 und 2 Jahren, spielten friedlich miteinander. Streit um Förmchen und Schippen unterblieb, denn sie kannten sich alle untereinander. Das Spielzeug der anderen war ja immer interessanter als das eigene.

Kinderspielzeug1 Es waren so etwa knapp zwei Stunden vergangen, man wollte schon fast aufbrechen, als eine Mutter irritiert aufmerkte: „ Julia, Deine Tochter isst ja den Sand!“
Julia blickte nicht mal hoch, meinte nur gelassen: „Gabi, das macht sie an jedem Sandspieltag. Sie braucht immer ihre 6 Schaufeln Sand, das bin ich schon gewohnt, außer dass der Sand in der Windel zu finden ist, habe ich nicht feststellen können, dass es ihr schadet.“
„Aber im Sand sind so viele Keime und Bakterien, sie wird davon doch krank, was sie sich alles davon holen kann!“, lamentierte Gabi.
„Ganz ehrlich, Gabi, mein kleiner Dreckspatz war noch nicht einmal krank in diesem Sommer, Dreck reinigt demnach doch den Magen und stärkt die Abwehrstoffe, also lasse ich sie eben probieren, so oft sie es will. Wenn sie weiß, dass Sand nicht schmeckt, hört sie von alleine auf. Verhindern kann ich es nicht. Aber dafür sorgen, durch Nichtbeachtung, dass die Menge sich in Grenzen hält.“, erklärte Julia gelassen.
Kinderspielzeug4 Julias Tochter war sowieso diejenige, die nach einem Tag im Sandkasten immer am dreckigsten war, sie hatte sich daran gewöhnt, dafür gab es für Chiara eben immer ein schönes Wannenbad am Abend. Julia wischte sie auch niemals sauber, wenn sie auf dem Heimweg waren, das hatte sie schon des Öfteren probiert. Der Erfolg war gewesen, dass ihre kleine Lady noch eine Schaufel Sand hinterher geschoben hatte. Da sie der Meinung war, dass 6 Schaufeln pro Tag genug Ballaststoffe ergeben für so ein kleines Kind, hatte sie gelernt, die Säuberung zu unterlassen.
„Wie kannst Du nur so ruhig sein. Putz sie wenigstens sauber, das sieht ja scheußlich aus, wie kannst Du das ertragen?“, jammerte Gabi an Julia gewandt.
Diese schüttelte daraufhin nur den Kopf, fragte nur: „Findest du 6 Schaufeln Sand nicht ausreichend für einen Tag.“
„Ja, natürlich! Aber wieso diese seltsame Frage?“, wunderte sich Gabi.
„Weil Chiara dann sofort die nächste Schaufel hinterher schiebt, wenn ich ihr das Gesicht wische. Das muss einfach nicht sein, findest Du nicht!?“
Gabi stand nun energisch auf, holte einen Waschlappen hervor. „Was hast Du denn vor?“ war es nun Julia, die sich wunderte. „Ich wasche Deiner Tochter den Mund ab, das kann man ja nicht mit ansehen!“, erklärte Gabi.
„Sie hat genug Sand für heute gegessen, sie soll noch welchen für die anderen übrig lassen! Gabi, bitte, was Du machen willst ist sinnlos!!“, wurde Julia nun unwillig.
Doch Gabi akzeptierte Julias Argumente nicht, trat in den Sandkasten, nahm Chiara in den Arm, wischte ihr mit dem Lappen das Gesicht sauber. Die anderen Mütter, die schweigend zugehört hatten, schüttelten nun den Kopf. Julia seufzte leise auf. Sie wusste, was nun kommen würde. Befriedigt kam Gabi zurück, setzte sich, schaute zum Sandkasten hinüber. Chiara kletterte die Babyrutsche hinauf, setzte sich, stieß sich ab. Als sie unten ankam, ergriff sie ihre Sandschaufel. Noch während Gabi den Lappen verpackte, lud Klein- Chiara ihre Schaufel, hob den Sand an ihren Mund und stopfte hinein, was der kleine Mund fasste. Gabi war fassungslos, die anderen Mütter grinsten ein wenig schadenfroh. Julia zuckte nur die Achseln.

Kinderspielzeug3
Nach einer Weile packten die Mütter das Spielzeug zusammen, alle bis auf Julia wischten ihre Kinder sauber. Chiara packte ihre Sandsachen in den Kinderwagen schob diesen kräftig mit. Brabbelte vor sich hin, strahlte alle an, die letzten Sandkörner sah man noch am Mund und auf den Wangen kleben. Zu Hause wurde der letzte Sand über dem Waschbecken von Julia sanft weg gestrichen. Dann durfte Chiara ihr Wannenbad genießen, das völlig ohne Badezusätze blieb, denn Badewasser schmeckte eben einer kleinen jungen Dame von 1 ½ Jahren ebenfalls nicht schlecht.

Der Mai ist gekommen

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 der Mai ist gekommenDer kalte April liegt hinter uns, obwohl sich schon einige angenehme warme Tage gezeigt hatten, in denen die Vegetation explodierte. Die Osterglocken sind schon verblüht und die Forsythien wechseln ihre gelben Blüten in zarte grüne Blätter. Dafür strahlen die Tulpen in leuchtenden Farben mit dem frischen Grün des Grases um die Wette. Der Flieder zeigt ebenfalls die Blütendolden in allen Schattierungen von Lila und zartgelbem Weiß.

Die Sonne lockt die Spaziergänger nach draußen und die Wintermäntel bleiben offen oder endlich im Garderobenschrank. Die Fahrräder wurden in den letzten Wochen für den Frühling überholt. Jetzt fassen die Radfahrer die Griffe wieder an, ohne das Gefühl zu haben, dass die Finger am Griff festkleben.

 der Mai ist gekommen2Die ersten Grilldüfte liegen in der Luft und lassen den vorübergehenden Fußgängern das Wasser im Mund zusammen laufen. Die Grillsaison ist hiermit eröffnet und die Besitzer der neuesten Grillgeräte weihen ihre Geräte ein. Die Männer sonnen sich im Glanz der Orden des besten Grillmeisters und die Damen probieren die neuesten und angesagtesten Frühlingssalate aus. Hinterher präsentieren die Gastgeberinnen hoffentlich als Nachtisch eine klassische Tiramisu oder einen schmackhaften Schichtnachtisch. Dann spräche ja nichts dagegen, sich bei einen oder anderen Duftquelle als zusätzlicher Gast einzuladen, oder?? *schmunzel*

Basilikum zum Lunch

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Basilikum Der TGV hatte Paris-Monparnasse verlassen, die letzten Weichen waren überquert und der Zug fuhr ruhig über die Schienen. Es war ein Uhr mittags vorbei und ein eifriger Personenverkehr in dem engen Gang setzte ein.

In den Sitzen öffneten die Passagiere indem vollbesetzten Zug ihre kleinen Kühltaschen. Die meisten öffneten ihre Tupperdosen, die würzige Salate enthielten. Auch ich öffnete meine Brotdosen, doch mit einem leckeren Salat konnte ich nicht aufwarten. Dafür zog nun langsam ein zarter doch würziger Duft durch den Großraumwagen. Ich schnupperte, doch konnte ich den Duft noch nicht identifizieren, obwohl mir bewusst wurde, dass ich den Duft kannte. Vorsichtig sog ich den Geruch in die Nase. Eine frische Würze nicht scharf sondern mit einer frischen Kräuternote. Da nun die Zug-Wanderer aus dem Büffetwagen zurück strömten, entstand ein Luftzug, der den Duft im Wagen besser verteilte. Die so verwirbelte Luft traf nun die Geruchsknospen der Nase und die Erkenntnis erwachte in mir. Basilikum, ich sank genüsslich in meinen Sitz zurück. Es war schon einige Zeit her, seit den Duft von frischem, gehackten Basilikum in der Nase hatte. Vor lauter Behagen schloss ich kurz die Augen, um den Duft noch besser in mir aufzunehmen. Es schien für mich, dass der Mittagslunch eine allgemeine Tradition zu sein schien, denn alle hatten zum gleichen Zeitpunkt mit ihrer Mahlzeit begonnen. Während in deutschen Lunchpaketen in Verkehrsmitteln mehr Butterrote zu finden waren, entdeckte ich hier meistens Couscous-Salate. Taboulé oder Couscoussalat liebe ich besonders und freute mich schon auf meinen Urlaub in Frankreich, in dem ich wieder einige Dosen leeren würde. Es würde mir gefallen, einfach nur die fertigen Salatdosen zu kaufen und nicht alles selbst zuzubereiten. In Deutschland gibt es nur wenige Discounter und Supermärkte, in denen man diese Köstlichkeit erstehen konnte.

Nach einer knappen Stunde legte sich langsam der Basilikumduft, die Tupperdosen waren wieder verstaut und die Zeitungen waren aufgeklappt worden. Irgendwie hatte ich mir die Geräuschkulisse in einem französischen Zug höher vorgestellt. Anscheinend waren die Franzosen nicht ganz so extrovertiert wie ich es mir vorgestellt hatte.